Erst 1, dann 2, dann 3, dann 4 …

World Wide Web – das ist doch alles eins: Internet eben. Zu einfach! Es gibt mittlerweile viele Begriffe, die versuchen, verschiedene Nutzungsgewohnheiten, Generationen oder technische Eigenschaften des World Wide Webs zu beschreiben. Ich habe mich einmal auf den Weg gemacht, um unterschiedlichen Begrifflichkeiten zusammenzutragen:

Web 1.0

"Du bist so 1.0", das lese ich immer öfter in Tweets von unterschiedlichen Mitgliedern der Netzcommunity. 1.0, das hier gleichzeitig als Synonym für "veraltet", "oldschool" oder "Schnee von gestern" steht, steht im Internet vor allem für folgendes:

  • Statische Webseite in html
  • Einstellung und Änderung durch Experten, die sich mit der Erstellung (hier: Programmierung) von Webseiten auskennen.
  • Klare Unterscheidung zwischen diesen (aktiven) Experten und den (passiven Lesern)
  • Das Internet als Einbahnstraße für Informationen
  • Download beherrscht den Traffic, Upload ist nur etwas für diese Experten
  • Internetnutzung heißt Rezeption von eingestellten Inhalten.

Web 2.0

Web 2.0 oder auch Mitmach-Web erlaubt Aktivität und lässt Rollen verschwimmen. Web 2.0 bedeutet:

  • Neue technische Möglichkeiten wie bspw. AJAX, Syndication, das Push-Prinzip von Informationen und Tagging,
  • Eine veränderte Wahrnehmung: Inhalte können von jedem Nutzer ins Netz gestellt werden.
  • Es gibt keine Autoren und Leser mehr, sondern nur noch Nutzer
  • Der Nutzer gestaltet das Netz aktiv mit und produziert Wissen
  • Up- und Download werden gleich wichtig
  • Medienproduktion holt zur Medienrezeption auf
  • Vernetzung und Verlinkung von Wissen und Menschen gewinnt an Bedeutung
  • Mobile, plattformunabhängige Nutzung wird wichtig

Einige konkrete Beispiele mit den Ideen des Web 2.0

  • YouTube – stelle selbst ein statt nur anzusehen
  • Wikipedia – schreibe und korrigieren Beiträge statt nur zu lesen
  • WordPress – schreibe über Dich und Deine Aktivitäten und erwecke es durch Kommentare zum Leben
  • Delicio.us – lege Deine Lieblingsseiten online ab und profitiere von anderen Links.

Diese Veränderung der Wahrnehmung des WWW beschreibt M. Wesch in seinem Video "The Machine Is Us(ing Us)":

Siehe auch die Ausführungen auf netplanet zu Web 2.0.

Der nächste Schritt: Das Web 3.0

Das Web 3.0 ist eine Weiterentwicklung von Web 2.0, die gewissermaßen durch einen Nachteil des Web 2.0 notwendig geworden ist. Web 2.0 hat dazu geführt, dass viel neue Informationen, die mehr oder weniger richtig sind, ins WWW gelangt sind. Das Web 3.0 versucht gewissermaßen diese Fülle von Informationen zu strukturieren und zu sortieren. Computer sollen nicht nur die Syntax (also die "Programmierung") der Webseiten verstehen und wiedergeben, sondern auch die Semantik, also den Inhalt verstehen und passendes, ergänzendes Wissen anbieten.

Ein Beispiel: Eine Einladung zur einer Geburtstagsparty über Facebook sollte mir gleichzeitig die Möglichkeit geben, einen Routenplaner zum Ort anklicken zu können, eine Wunschliste des Geburtstagskindes bei einem Onlineversandhaus zugänglich machen, mein Bahnticket dorthin zu buchen oder mich mit anderen Gäste über Skype oder ICQ in Verbindung zu setzen, um ggf. gemeinsam etwas zu schenken usw. Vielleicht hat sogar vor kurzer Zeit ein anderer Facebook-Nutzer den gleichen Geburtstag gefeiert und ich kann von den Geschenkideen seiner Gäste profitieren. Vernetzung ist gefragt.

Im Web 3.0 geht es darum, dass Informationen nicht mehr auf gemeinsamen Plattformen verfügbar sind, sondern dass Informationen intelligent miteinander vernetzt sind und den Nutzern gezielt diejenigen Informationen zugänglich machen, die sie brauchen. Web 3.0 beschreibt also nicht mehr Fortschritte beim Personenkreis der Produzenten und der Medien im WWW, sondern vielmehr Weiterentwicklung bei der Vernetzung von Wissen und Menschen. Web 3.0 wird daher auch als Social Semantic Web bezeichnet.

Eine kleine Einführung als Video:

Und weiter? Web 4.0?

Wie schon die vorherigen Web-Generationen wird auch der Begriff Web 4.0 nicht trennscharf sein. Web 4.0 wird häufig gleichgesetzt mit dem 3D-Internet mithilfe von Tools wie Second Life oder Trinity. Seth Godin beschreibt in seinem Artikel Web4 drei Entwicklungen für das Web 4.0:

  • Ubiquity
  • Identity
  • Connection

und verlangt von seinen Tools noch mehr "Mitdenken" in seinem Leben. Anwendungen sollen Situationen von selbst erkennen und Lösungen anbieten. Ein interessantes Zitat sollte dabei aber nicht fehlen:

The thing is, privacy is an illusion. You think you have privacy, but the video surveillance firms and your credit card company disagree. If we're already on camera, we might as well get some benefits from it. If we choose.

In einer Zeit, in der große Unternehmen Mitarbeiter mit Kameras überwachen, GPS in jedem Handy integriert ist, Onlinedurchsuchung immer wieder durch die Medien geht und die Piratenpartei den prozentual größten Mitgliederzulauf hat, stehen uns hier wohl nicht nur spannende Entwicklungen, sondern auch interessante Diskussionen über technische Machbarkeit und persönliche Rechtfertigung bevor. Wir werden sehen, was die Zeit bringt.