Die Coachingcloud – Gedanken zum Thema

Ein nicht ganz neues Thema auch für mich ist der Begriff des Coachings. Literatur dazu findet sich reichlich und ist teilweise recht theoretisch formuliert. Aber wie erkläre ich Teilnehmenden (ich vermeide den Begriff Klient, weil es trotz theoretisch korrekter Anwendung das Gefühl des Unvermögens beim Teilnehmenden hervorhebt) an einer Coachingmaßnahme in pragmatisch gewählten Worten, was Coaching eigentlich bedeutet und welche Rahmenbedingungen dafür gelten? Mein Ansatz:

Die Coachingcloud

Warum eine Cloud? Eine Cloud (vgl. Tagwolke) ist für mich eine Begriffssammlung, bei der alle Begriffe zusammenhängen und ein großes Ganzes bilden. Dabei kann die Bedeutung der einzelnen Begriffe durch Größen oder auffällige Schriftschnitte symbolisiert werden. Letztlich ist sie eine gute Gedankenstütze um sich immer wieder an die Grundsätze zu erinnern.

Meine hier gezeigte Coachingcloud hat insgesamt 9 Begriffe, die im Folgenden gezeigt und näher erklärt werden.

Coaching-Cloud

Die wohl wichtigste Rahmenbedingung für Coaching ist die Vertraulichkeit. Weil Coaching neben Stärken auch große Herausforderungen hervorhebt, müssen die Ergebnisse unbedingt vertraulich behandelt werden. Nur wenn der Coach Stillschweigen über die Ergebnisse garantiert, kann eine Coachingmaßnahme durch Fehlen eines Zwangs und eigener Motivation ihr volles Potenzial entfalten.

Das wichtigste Handwerkszeug des Coaches ist das Gespräch. Im Unterschied zu einer Präsentation oder einem Referat wird im Gespräch gemeinsam erarbeitet, wo die Stärken und Herausforderungen des Teilnehmers/der Teilnehmerin liegen. Aufgabe des Coaches ist es, den/die Teilnehmer/-in selbstständig eine Lösung erkennen zu lassen.

Ohne Praxisnähe geht es nicht beim Coaching. Theoretische Konzepte stehen beim Coaching im Hintergrund. Es reicht, wenn der Coach diese kennt und anwenden kann. Der/die Teilnehmer/-in soll Entwickeltes in der Praxis umsetzen und mögliche Umsetzung nicht nur beschreiben können. Es liegt daher auf der Hand, dass eine Coachingmaßnahme idealerweise aus mehreren Terminen besteht, damit Lösungen nicht nur entwickelt, sondern auch umgesetzt und deren Umsetzungen evaluiert werden können.

Noch bevor die Entwicklung von Lösungen für Teilnehmende/-n und Coach beginnt muss eine Beobachtung erfolgen. Nur wenn ein Coach versteht, über welche Handlungsweisen, Einstellungen und Potenziale ein/-e Teilnehmende wirklich verfügt, kann später eine gute und zugeschnittene Entwicklungsphase gestaltet werden. Inwiefern noch vor der Beobachtung besondere Schwerpunkte dem/der Teilnehmenden gegenüber transparent gemacht werden sollten, muss individuell entschieden werden.

Coaching findet immer im Bereich von Veränderungsbedarf statt. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, dass dieser Veränderungsbedarf von dem/der Teilnehmenden selbst gesehen wird. Nur wenn der/die Teilnehmende freiwillig an der Coachingmaßnahme teilnimmt, wird es auch zu einer Veränderung kommen können. Aufgezwungenes Coaching ohne intrinsische Motivation des/der Teilnehmenden ist i. d. R. ineffizient.

Beim Blick auf den Coachingbegriff ist die Idee der Beratung von zentraler Bedeutung. Beratung setzt nicht nur voraus, dass der/die Teilnehmende auch beraten werden möchte, sondern auch dass – wie in der Finanzbranche vorgeschrieben – ein Beratungsprotokoll erstellt wird. Nur wenn klare Ergebnisse dokumentiert werden, kann der/die Teilnehmende sich auch immer wieder Ergebnisse vor Augen führen und an deren Umsetzung arbeiten.

Das große Ziel von Coachingprozessen ist in jedem Fall die Optimierung. In welcher Dimension allerdings eine Optimierung erfolgt, kann sehr unterschiedlich sein. Beispiele sind hier der eigene Umgang mit Zeit, die erfolgreiche Gestaltung von Lernprozessen oder aber, in kommerziellen Zusammenhängen, das Generieren von Erträgen.

Coachingmaßnahmen sind für die Praxis und sollten Teilnehmenden bei ihrer Potenzialentfaltung helfen. Das funktioniert nur, wenn sie tatsächlich im Alltag der Teilnehmenden stattfinden. Das bedeutet, dass die Beobachtung vor der Entwicklungsphase in einer typischen Alltagssituation erfolgt. Es dürfen keinesfalls wegen der Coachingmaßnahme besondere Rahmenbedingungen geschaffen werden oder besondere Vorbereitungsarbeiten stattfinden. Gleichzeitig muss auch die Umsetzung der entwickelten Inhalte später in typischen Alltagssituation auf ihre Praxisfähigkeit geprüft werden.

Gerade bei mehreren Teilnehmenden besteht die Gefahr, dass aus den einzelnen Coachingmaßnahmen ein “Standardcoaching” wird. Während ein grundsätzliches Konzept für eine Coachingmaßnahme durchaus gleich (und bewährt) sein sollte, gilt für den Inhalt, dass ein hohes Maß an Individualität wichtig ist. Coach und Teilnehmende/-r sollten unbedingt gemeinsam entscheiden, welche Schwerpunkte das Coaching haben soll. Begründet werden kann dies letztlich auch damit, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Stärken und Herausforderungen haben.

Alle diese Aspekte sind in meinen Augen essentiell für eine erfolgreiche Coachingmaßnahme und müssen bei einem konkreten Coachingkonzept ihren Raum finden. Sie sind kein alleiniger Garant für ein erfolgreiches Coaching aber doch gute Rahmenbedingungen für die Möglichkeit der Akzeptanz und letztlich der Nachhaltigkeit von Veränderungsprozessen.