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Mut zu mehr Didaktik in virtuellen Klassenzimmern!

15 April 2010 457 Klicks Ein Kommentar PDF Drucken

e-Learning als Begriff ist wohl das Buzzword der Bildung im 21. Jahrhundert. Nahezu inflationär genutzt, beschreibt e-Learning alle Formen des Technologieeinsatz in Lernarrangements vom Versand von Textdokumenten per e-Mail über die Bearbeitung von Compuer- und Webbased Trainings bis hin zu den Einsatz von Lernmanagementsystemen mit tutorieller Betreuung und virtuellen Klassenzimmern. Häufig gerät aber die technologische Frage zu Lasten von didaktischem Anspruch in den Vordergrund. Wie lassen sich beide Perspektiven auf Lernprozesse miteinander verbinden? Oder als Aufforderung formuliert:

Mut zur mehr Didaktik in virtuellen Klassenzimmern!

Wie aber zeige ich diesen Mut zu mehr Didaktik? Hier drei Thesen und Umsetzungsvorschläge mit praktischen Beispielen:

These 1: Kooperative Entwicklungsarbeit statt isolierte Rezeption!

Nutzen Sie keinen Powerpointvortrag um Informationen zu vermitteln, sondern stellen Sie den Lernenden diese Dinge vorab zur Vorbereitung zur Verfügung. Lassen Sie die Lernenden dann gemeinsam ihre Grundlagen anwenden und ihre Ergebnisse präsentieren. Bewerten Sie alle gemeinsam diese Ergebnisse. Lassen Sie die Lernenden Handeln statt Zuhören!

Praktisch:

  • Nutzen Sie Gruppenarbeitsräume.
  • Ziehen Sie sich aus dem Arbeitsprozess der Teilnehmer zurück.
  • Lassen sie die Teilnehmer ein Handlungsergebnis produzieren und präsentieren.
  • Bewerten Sie gemeinsam die Ergebnisse.

These 2: Individueller Lernberater statt referierender Dozent!

Lernenden haben unterschiedliche Erfahrungen und unterschiedliche Kompetenz entwickelt. Einige werden von den Inhalten schon einmal gehört haben, andere betreten echtes Neuland. Versuchen die Lernenden alle dort abzuholen, wo sie gerade stehen. Schließlich wollen Sie sowohl Langeweile als auch Überforderung vermeiden, denn beides nimmt jede Motivation. Betrachten Sie es als ihre Aufgabe, den aktuellen Kompetenzstand der Teilnehmer herauszufinden und maßgeschneiderte Lernangebote durch Differenzierung zur Verfügung zu stellen, die die Lernenden selbstständig bearbeiten.

Praktisch:

  • Diagnostizieren Sie vor virtuellen Konferenzen den Kompetenzstand, bspw. durch Interviews oder Fragebögen.
  • Legen Sie Herausforderungen und Schwierigkeitsgrade von Entwicklungsaufträgen vor der Bearbeitung offen.
  • Lassen Sie Lernenden sich selbst ihre Aufgaben auswählen und leiten Sie zu dieser Auswahl an.
  • Lassen Sie die Lernenden später ihre differenzierten Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenfügen.
  • Leiten Sie zu einer Selbstreflexion zur individuellen Kompetenzentwicklung bspw. durch eine Checkliste an.

These 3: Komplexe Situationen statt reduzierte Wissensbausteine

Kennen Sie das umgangssprachliche Wort "Fachidiot"? Damit ist damit jemand gemeint, der zwar viel weiß, sein komplexes Wissen aber nicht handlungsleitend werden lässt. Didaktisch ist damit das Phänomen des "trägen Wissens" beschrieben. Einem Callagent bringt es wenig, wenn er über die die Grundsätze des professionellen Telefonats Bescheid weiß, es allerdings noch nie umgesetzt hat. Ihr Ziel ist es also nicht Wissen zu vermitteln, sondern eine Kompetenzentwicklung zu begleiten. Versuchen Sie daher nicht Wissen über Vorträge "einzutrichtern", sondern schaffen Sie Anwendungsszenarien für Wissen.

Praktisch:

  • Stellen Sie Lernenden vor komplexe Probleme, die zu lösen sind.
  • Nutzen sie Probleme, die idealerweise sogar real sind/waren.
  • Reduzieren Sie die Komplexität der Probleme nur in Ausnahmefällen – das Leben ist nun einmal komplex!
  • Bewerten Sie später gemeinsam die entwickelnten Lösungen.
  • Vergleichen Sie ggf. gemeinsam die Lösung mit der tatsächlichen Lösung aus der Praxis.

Ist Ihnen etwas aufgefallen bei den Thesen und Umsetzung? Die Thesen stellen viel stärker die Lernenden statt die Lehrenden in den Fokus der Aktivitäten. Mit dieser Art der Orientierung an den Lernenden schaffen Sie es, die technologischen Möglichkeiten des e-Learning mit didaktisch innovativen Lernprozessen zu verbinden. Und Sie werden schnell feststellen:

Seien Sie mutig, es lohnt sich!

Sind Sie interessiert an mehr praktischen Umsetzungsbeispielen für Ihre Lernprozesse? Nehmen Sie gern Kontakt mit mir auf!

1 Kommentar »

  • Jule Nowoitnick said:

    Lieber Herr Budde,
    ich könnte nicht mehr zustimmen. Leider ist Frontalunterricht immer noch weit verbreitet.
    Ich würde Ihnen gerne mit Mikogo ein Desktop Sharing Tool vorstellen, das genau hier ansetzt und großen Wert auf Interaktivität im eLearning legt. So stellen z.B. ein Whiteboard und ein Zeigepfeil sicher, dass die Lernenden jederzeit zu Wort kommen können. Zudem kann die Blickrichtung jederzeit geändert werden, d.h. Hausarbeiten können für alle sichtbar gemacht und so gemeinsam diskutiert werden.Informationen zu allen Anwendungsbereichen und Features sind zu finden unter http://www.mikogo.de/. Für Fragen und Feedback stehe ich natürlich auch direkt parat.Beste GrüßeJule Nowoitnick (The Mikogo Team)

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